Martin Thiemann
Freelance UX Designer

Digital Health UX

User Experience Design im Gesundheitswesen

Die Qualität von digitalen Produkten und Diensten hat sich in den letzten Jahren extrem verbessert. Das ist auf neue technische Möglichkeiten, aber vor allem auf eine immer weiter verbreitete nutzerzentrierte Produktentwicklung zurückzuführen. Das Erscheinen des ersten iPhones war hier ein wichtiger Meilenstein, der Hard- und Softwarehersteller wachgerüttelt hat. Das ganzheitliche Nutzererlebnis (User Experience, UX) eines Produkts steht nun im Vordergrund und ist der entscheidende Erfolgsfaktor. Für Business-Anwendungen, und dazu zählen digitale, medizinische Produkte meist, ist hier viel Raum für Innovationen.

Warum »UX« im Gesundheitswesen so wichtig ist:

Gestiegene Erwartungen

Nutzer, also medizinisches Personal, sind durch Apps, Webdienste, soziale Netzwerke aus privater Nutzung verwöhnt und erwarten eine einfache und schlüssige Nutzerführung auch bei der Bedienung ihrer Arbeitsmittel. Hersteller im Consumermarkt investieren immense Ressourcen, um sich durch bessere UX von Mitbewerbern abzugrenzen. Durch die gestiegenen Erwartungen an Usability steigt auch das Risiko, Nutzer zu enttäuschen.

Differenzierungs­merkmal Design

Was die Automotive-Branche plakativ zeigt, ist auch in anderen Bereichen eine Herausforderung. Konkurrenz-Produkte gleichen sich in technischen Merkmalen immer mehr, so dass in anderen Bereichen des Produkts Wettbewerbsvorteile gefunden werden müssen. Design und Usability helfen Produkte zu differenzieren.

Kritische Prozesse

Manchmal geht es um Leben und Tod.[1] Nutzer müssen Geräte mitunter in extremen Situationen bedienen — sicher, schnell und fehlerfrei. Diese Anforderungen verlangen nach spezifischen, wohl durchdachten und akribisch getesteten Benutzeroberflächen und Bedienelementen. Ein missverständlich formulierter Warnhinweis oder ein irreführend gestalteter Button können zu gefährlichen Situationen führen. Ein Design- und Entwicklungsprozess, der den Nutzer in den Mittelpunkt stellt, hilft dieses Risiko zu minimieren.

Beispiel Hilfe-Grafik

Häufig ist eine On-Screen-Hilfe nötig, um die Handhabung des Geräts zu begleiten. Denkbar ist eine fotografische oder illustrative Darstellung. Auch Animationen und Filme können eingesetzt werden. In Nutzertests kann evaluiert werden, welche Darstellungsform am verständlichsten ist.

Schritt 3: Barcode scannen

Fotografische Darstellung

Schritt 3: Barcode scannen

Illustration

Beispiel Barrierefreiheit

Die Benutzergruppe von medizinischen Geräten kann sehr vielfältig sein. Menschen mit unterschiedlichsten fachlichen und sprachlichen Kenntnissen sowie körperlichen Voraussetzungen sind potentielle Nutzer. Durch intelligente Detaillösungen[2] können auch Accessibility-Probleme gelöst werden. Wie im folgenden Beispiel: Schlageworte (Tags) zu einem Datensatz hinzufügen.

Entwurf 1: Unterscheidung nur durch Farbe

Entwurf 2: Zusätzlicher Einsatz von Mustern für bessere Unterscheidbarkeit

Farbenfehlsichtigkeit simulieren

Acht bis neun Prozent der Männer[3] leiden unter einer Farbenfehlsichtigkeit. Durch den Einsatz von zusätzlichen Schraffuren sind die Schlagworte dennoch unterscheidbar. Auch der »Hinzufügen-Button« ist durch die lineare Gestaltung deutlich abgegrenzt.

»Design is how it works.«

Der Einfluss des UX-Designers sollte nicht nur auf oberflächliche Eigenschaften des Produkts reduziert sein, sondern als integraler Bestandteil der gesamten Produktentwicklung gesehen werden. Der Designer definiert also nicht nur wie das Produkt aussieht, sondern auch wie es funktioniert (Steve Jobs[4]). Mit der Einbeziehung von UX-Experten entsteht die Chance, neue Perspektiven auf das Produkt zu gewinnen und so die Bedürfnisse der Nutzer besser kennenzulernen. Was letztendlich fundierte Entscheidungen ermöglicht, wie sich das Produkt künftig entwickeln soll.

Die gute Form

Visual Design als Teil des UXD entspricht zunächst am ehesten dem, was man allgemein unter »Design« versteht: der sinnvolle und markengerechte Einsatz von Farben und Schriftarten, das Definieren von flexiblen Layout-Systemen oder das Erstellen von prägnanten, eindeutigen Icons. Wichtig ist, dass hier Ästhetik und Funktionalität in Einklang gebracht werden. Es geht also nicht um schön, sondern um »richtig«.

Durch Weichzeichnen lässt sich grob simulieren, wie Schrift unter ungünstigen Bedingungen lesbar ist, z.B. bei schlechtem Licht, großem Betrachtungsabstand etc.

Schlechte Typografie
Durch mangelhafte Schriftwahl und Laufweite verschwimmen den einzelnen Buchstaben und sind schlechter identifizierbar.

Gute Typografie
Individuelle und offene Buchstabenformen ergeben leichter zu lesende Wortbilder. Details mit großer Wirkung.

Iterative Entwicklung

Ein nutzerzentrierter Entwicklungsprozess zeichnet sich durch kontinuierliches Testen und Iterieren aus und ist nur »agil« möglich, wenn Designer und Entwickler effizient Produkte erstellen sollen. Die Arbeit mit Designern bietet die Chance, diese agile Arbeitsweise holistisch im Team zu leben.

Informationen, Daten, Netzwerke

In medizinischen Einrichtungen werden enorme Mengen von Daten erhoben: Informationen über Patienten, Laborwerte, Finanzen etc. Zwar ist das iPad in der Hand des Arztes schon heute Realität, häufig werden Informationen aber immer noch auf dem Papierweg oder in abgeschotteten Silos verwaltet. Kommunikations- und Informations-Systeme im Gesundheitswesen können die Effizienz deutlich steigern und das medizinische Personal entlasten, um mehr Zeit für die Patienten zu haben. UX Design hilft, diese IT-Systeme nutzerfreundlich, sicher (Privacy by Design) und vernetzt zu gestalten.

Leistungsspektrum

In früheren Projekten, sowohl im Medizin-Bereich als auch in anderen Branchen, konnte ich über 6 Jahre Erfahrung sammeln und erfolgreich digitale Produkte und Dienste launchen. Für Start-Ups, für Unternehmen, für Agenturen.

In folgenden Disziplinen unterstütze ich:

  • User Experience Design (UXD)
  • Interaction Design (IxD)
  • Rapid Prototyping
  • Information Architecture
  • Usability Testing
  • Visual Design
  • Research

»Ich bin davon überzeugt, dass ein nutzerzentrierter Design-Prozess zu besseren, sichereren und profitableren Produkten führt. Der digitale Prototyp fungiert dabei als Zielbild, Testobjekt und Dokumentation bei der agilen Entwicklung.«

Martin Thiemann, Dipl.-Designer (FH)
mail@martinthiemann.de
0049 170 3847214

Fußnoten

  1. How Bad UX Killed Jenny
  2. Barrierefreiheit bei Trello
  3. Farbenfehlsichtigkeit (Wikipedia)
  4. Zitat von Steve Jobs

Schlagworte

Medizintechnik, Gesundheitswesen, Healthcare, mHealth, Digital Health, Patientcare, Pharma, UI, Design, UX, Usability